Gitarrenrock vs. Pyttipanna
Schwedisches Brot wird nicht hart, es fängt vorher, jedoch nicht sonderlich zeitnah, an zu schimmeln. Zumindest das von mir gern genommene ungesüßte Mohrrübenbrot eines berühmten deutschen, aber auch in Schweden zu findenden Discounterriesen mit Stasivergangenheit, welches sich über mehrere Wochen lagern lässt, ohne seine Fluffigkeit zu verlieren. Ungleich länger noch lässt sich natürlich das von mir jedoch aus religiös-fanatischen Gründen verschmähte Knäckebrot ohne größere Pilzerscheinungen aufbewahren. Ähnlich flauschig wie die Sporenkolonien meines Karottenteiglaibes ist auch, und das ist nun letztlich eine viel größere Sensation, das Mikrofon des unglaublich hart rockenden Gitarristen und Sängers der Band Danko Jones, Danko Jones. Es lebe das Understatement. Aber so sind sie eben die Gitarristen, grundsätzlich meist liebenswerte Geschöpfe mit dem pathologischen Hang zur Selbstdarstellung. Oder um es mit den Worten des bedeutenden Philosophen, Organisten und letzten großen Meisters der musiknahen Klanggestaltung, Michael A. Patton, zu sagen, der seinerzeit (ich glaube es war in der '93er September-Ausgabe von entweder Philosophie Heute oder Metal Hammer) ebenso treffend wie richtig zu konstatieren wusste: 'Wichsen. Das ist es, was Gitarristen wollen.' Das Patton'sche bildhafte Masturbieren ließ sich nun also vorletzte Woche auch wieder sehr eindrucksvoll in der Stockholmer Almhütte Tyrol bewundern, wo Danko Jones (die Band) eine gelungene Rock'n'Roll-Darbietung ablieferten und Danko Jones (der Sänger/Gitarrist) mit einer gesunden Mischung aus Herumposen, solider Gitarrenarbeit und prolligen Zwischenansagen zu überzeugen wusste. Wäre da nicht das Mikrofon gewesen. Was treibt einen Menschen, der den tonnenschweren Ruf mit sich herumschleppt, ein besonders harter Hund zu sein, dazu, sich ein Puschel-Mikrofon vor die Zähne zu halten, wie es sonst nur bei volkstümelnden Schlagerdesastern und playbackender Fernsehgarten-Semiprominenz anzutreffen ist? Ok, es war wenigstens schwarz, aber trotzdem werde ich jetzt auf ewig nachts schweißgebadet aufschrecken, von dem furchtbaren Gedanken verfolgt, der arme Danko Jones leide an besonders empfindlichen, möglicherweise gar spröden und rissigen Lippen. Nur wenige Tage später manifestierte sich vor mir das optische Gegenstück zu Danko Jones, viel zu bunt und viel zu weich, mein Pyttipanna aus der Mensa!
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Ist obig genannter kanadischen Musikantentruppe eine gewisse Farblosigkeit vorzuwerfen (vgl. Illustration), so möchte ich gleichfalls aber auch nur ungern Nahrung in den diesjährigen Trendfarben für Dreiviertelleggins, Krachpink/Pastellgrün, in mich aufnehmen. Berüchtigt für groteske 'Haute Cuisine'-Kreationen wie karibisch angehauchte Frühlingsrolle an Pellkartoffel oder auch Fisch im Speckmantel an einem Stück Fleisch mit Wurst als Beilage hatten sich die Köche mit diesem optischen Feuerwerk mal wieder selbst übertroffen. Trotz der abschreckenden Farbwahl konnte die Kartoffelpfanne jedoch geschmacklich bezaubern und wäre meines Erachtens dank der hohen Fluffigkeit selbst für Menschen mit schweren Lippenleiden eine durchaus adäquate Schonkost. Ich kann mir gut vorstellen, daß gerade Danko Jones fast täglich weiches, rosafarbenes Pyttipanna in sich reinschaufelt. Nun ist aber gut, übertreiben sollte man es mit solchen Absurditäten auch nicht und so gönnte ich mir letztes Wochenende mal wieder einen Ausflug in meinen Lieblingsmusikschuppen, um bei normaler Nahrung normale Farben an normalen Menschen zu normaler Musik zu konsumieren. Die auf der Bühne grandiosen, mir bis dato aber unbekannten, schwedischen September Malevolance postrockten sich dort mit dem Aussehen skandinavischer Waldarbeiter und wunderbar melancholischen Klängen direkt in mein Herz und auch bei der Nachband Audrey kam keinerlei Langeweile auf, wobei mich vor allem deren Paukistin vollends überzeugen konnte. Ausschließlich mit ihrem versierten Trommelspiel versteht sich.


